Gebrüder-Grimm-Schule

 

Landwehrstr. 51, 47441 Moers


Sprachförderkonzept der Gebrüder-Grimm-Schule

Schulbezogene Voraussetzungen im Schuljahr 2011 / 12

Die Gebrüder-Grimm-Schule wird im Schuljahr 2011/12 von 220 Schülerinnen und Schülern besucht. Davon haben 91 Schüler/innen einen familiären Migrationshintergrund. Nach den bereits erfolgten Anmeldungen für das Schuljahr 2012/13 ist ein Anstieg dieser Zahl auf 96 zu erwarten. Die Herkunftsländer der Kinder, bzw. deren Eltern sind sehr unterschiedlich. Die Familien stammen aus Afghanistan, Pakistan, Irak, Türkei, Palästina, Libanon, Syrien, Tunesien, Kroatien, Serbien, Bosnien, Georgien, Kasachstan, Albanien, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Niederlande, Frankreich, Polen, Brasilien, Vietnam, Kongo Ghana, und USA.
 
Von den 91 Migrantenkindern in diesem Schuljahr haben 55 Kinder Förderbedarf in der deutschen Sprache. Hinzu kommt 1 Kind, das mit nur wenigen deutschen Sprachkenntnissen in das erste Schuljahr eingegliedert wurde. 31 Kinder erhielten vorschulische Sprachförderung.
 
Die Förderung des sprachlichen Lernens ist die Aufgabe des Unterrichts in allen Fächern. Die findet statt im differenzierten Unterricht der Klassen und in zusätzlichen Förderstunden, die der Schule im Rahmen der Integrationshilfestellen zugewiesen wurden.
 
Der zusätzliche Förderunterricht wird klassen- und jahrgangsübergreifend organisiert um eine optimale Nutzung der Fördermöglichkeiten zu erwirken. Für Kinder mit besonders großem Förderbedarf werden weitere Hilfsmöglichkeiten hinzugezogen, z.B. Einzelförderung durch Praktikant/innen, Eltern und Schulhelfer/innen. Auch die Teilnahme am Offenen Ganztag und das Eintauchen der Kinder in das deutsche »Sprachbad«, sowie vertiefende Sprachübungen z.B. im HZE-Modul wird den Eltern angeboten und von vielen explizit genutzt.

Organisation der Sprachförderung

Nach Schulbeginn wird der Sprachstand der Migrantenkinder mit den Einstufungshilfen der »Werkstatt Deutsch als Zweitsprache« (Schroedel-Verlag) erfasst. Daraus ergeben sich die Förderschwerpunkte der einzelnen Kinder. Kinder mit gleichem Förderbedarf können dann zu Fördergruppen zusammengefasst werden.
 
Wenn Integrationshilfestellen zur Verfügung stehen, werden diese entweder als Team-teaching-Stunden oder als zusätzlicher Förderunterricht in Randstunden eingesetzt. Bewährt hat sich bisher auch ein Migranten-Förderunterricht parallel zum Religionsunterricht, sofern die zu fördernden Kinder nicht einer christlichen Religion angehören. Je nach Anzahl der teilnehmenden Kinder wird der Sprachförderunterricht klassen- oder jahrgangsübergreifend organisiert.
Migrantenkinder, die die offene Ganztagsschule besuchen, werden in der Hausaufgabenbetreuung durch Erzieherinnen und in der Hausaufgabenhilfe durch Lehrerinnen weiter gefördert. In besonderen Fällen können sie auch durch die flankierende Maßnahme »Hilfe zur Erziehung« (HZE) intensiv gefördert werden.
 
Lehrerinnen und Erzieherinnen sprechen miteinander über den Förderbedarf der Kinder. Die Auswertung der VERA-Ergebnisse der letzten Jahre fließen ebenfalls in die Inhalte der Sprachförderung ein.

Inhaltliche Gestaltung

  • des allgemeinen Unterrichts
    Die Aufgaben des Unterrichts in allen Fächern sind aufmerksamer werden und aufmerksam machen auf Sprache und sprachliche Richtigkeit, Weiterentwicklung sprachlicher Fähigkeiten (Wortschatz, Satzstruktur, Grammatik), Entwicklung des Bewusstsein für die Rolle der Sprache beim fachlichen Lernen, Nutzung wirkungsvoller Methoden für fachliches Arbeiten. Das bedeutet konkret Schaffung von Sprechanlässen, lautes und gestaltendes Lesen, aktives Zuhören üben, ausdrucksvolles Sprechen beachten, Gesprächsformen einüben und Gesprächsregeln einhalten, Redezeiten realisieren, sachbezogenes Sprechen auf Material stützen (Abbildungen, Illustrationen, Lösungswege erklären, komplexe Sachverhalte präsentieren), Rechtschreibnormen beachten, Fachwortschatz mündlich und schriftlich üben, Fachtexte schreiben, Schreibkonferenzen durchführen, Medienarbeit (Texterschließung, Gattungen, Darstellungsformen) vornehmen, Sprachgebrauch reflektieren.
  • des Sprachförderunterrichts
    Im Sprachförderunterricht werden sprachliche und begriffliche Voraussetzungen geschaffen, die es jedem einzelnen Kind anknüpfend an seinen individuellen Sprachstand ermöglichen, sich in seiner deutschsprachigen Lebenswelt und in seinem schulischen Umfeld orientieren und verständigen zu können. Es gilt darauf zu achten, Sprache als Medium des Lernens gezielt weiter zu entwickeln.
    Dann werden in Absprache mit den Klassen- und Fachlehrerinnen zunehmend die Themen des Unterrichts angesprochen, damit die Kinder dem Klassenunterricht inhaltlich folgen können. Dabei werden vor allem die Themen des Deutsch- und Sachunterrichts aufgegriffen, es müssen aber auch die sprachlichen und begrifflichen Voraussetzungen für den Mathematikunterricht berücksichtigt werden.
    Dies setzt voraus, dass die Förder- und Fachlehrerinnen sich über die aktuellen Themen des Unterrichtsstoffes verständigen und jede Kollegin die Arbeitspläne mit einem verbindlichen Sprachgebrauch kennt. (u.a. hinsichtlich der Fachsprache). Ebenso erforderlich ist es, dass sich die Kolleginnen über die Besonderheiten der deutschen Sprache im Klaren sind (z.B. Artikel, Kasus-Numerus-Genus Gebrauch bei Adjektiven, Pronomen, u.a.m)

Schwerpunkte

Vor allem geht es um die Förderung des Hörverstehens, den Aufbau und die Erweiterung eines sinnvollen und kindgemäßen Wortschatzes, die Erarbeitung von Satzstrukturen und die Anregung zu eigenem Sprechen und Erzählen, wobei auch immer auf richtige Aussprache geachtet werden muss.
Im Einzelnen sind es folgende Schwerpunkte:

  • Zuhören und Nachsprechen
    Ziel: Die Besonderheiten der deutschen Sprache kennen lernen und die richtige Aussprache erlernen.
  • Wortschatz erweitern und Begriffe bilden
    Ziel: Gespräche, Erzählungen, Texte und Anweisungen verstehen können.
  • Selbstständiges Sprachhandeln
    Ziel: Nach Aufforderung oder aus eigenem Antrieb sprechen und erzählen, sich an Gesprächen beteiligen.
  • Strukturen der deutschen Sprache kennen lernen
    Ziel: Die Grammatik der deutschen Sprache richtig anwenden
  • Lesen und Schreiben
    Ziel: Sinnerfassend lesen können und den schriftlichen Sprachgebrauch üben.
    Zunehmend das Erfassen von Sachtexten/Sachaufgaben

Evaluation der Fördermaßnahmen

Bei allen Fördermaßnahmen ist die enge Zusammenarbeit der Förderlehrer/innen und der Klassenlehrer/innen notwendig – sowohl bei der Feststellung des Förderbedarfs als auch bei der inhaltlichen Planung des Förderunterrichts und bei der Dokumentation der Lernfortschritte.
 
Als Instrumente der Evaluation dienen dabei die Beobachtungen im Klassenunterricht und in den Förderstunden, die Arbeitshefte der Kinder, die Ergebnisse von Tests und Klassenarbeiten und die Auswertung von Testverfahren wie z.B. HSP, DRT, Lesestolpertest.
 
Weitere Erkenntnisse können aus der Verweildauer der Migrantenkinder in der Grundschule, den Übergangsempfehlungen zu den weiterführenden Schulen, der Anzahl der AOSF und den Ergebnissen der Lernstandserhebungen VERA im dritten Schuljahr gewonnen werden.