Gebrüder-Grimm-Schule

 

Landwehrstr. 51, 47441 Moers


Konzept der Gebrüder-Grimm-Schule zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten

1. Schuljahr

Lernbereich: Erstlesen und Schreiben
 
Bei der Schuleingangsdiagnostik werden erste Erkenntnisse über die visuelle Wahrnehmung und die phonologische Bewusstheit der Kinder gesammelt und ausgewertet.
Es werden Übungen zur visuellen und akustischen Wahrnehmung in den Unterricht integriert.
Bei der Unterrichtsgestaltung werden die Prinzipien der Methodenvielfalt, der Differenzierung und individuellen Förderung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lerntypen beachtet. Es wird ein Lernen mit allen Sinnen ermöglicht.
 
Um alle Sinneszugänge zu erreichen, wird mit verschiedenen Methoden gearbeitet:

  • Die Druckschrift ist die erste Lese- und Schreibschrift. Die verbundene Schreibschrift wird erst eingeführt, wenn der grundlegende Lese- und Schreibprozess abgeschlossen ist.
  • Von Anfang an wird den Kindern mit Hilfe einer Anlauttabelle die Möglichkeit gegeben auf alle Buchstaben zuzugreifen, den eigenen Lernprozess individuell zu gestalten und mit der Methode „Lesen durch Schreiben“ selbstständig zu arbeiten.
  • Das Erlernen der Buchstaben erfolgt nach der analytisch-synthetischen Methode. Jeder Buchstabe wird einzeln eingeführt, geübt und sowohl akustisch als auch visuell gefestigt.
    Das Schreiben der Buchstaben wird mit Schwungübungen, dem Erfühlen und Gestalten der Formen und weiteren graphomotorischen Übungen vorbereitet.
  • Linkshänder werden nicht umgeschult.
  • Zur Schulung der phonologischen Bewusstheit können Lautgebärden eingeführt werden.
  • Ein klasseneigener Grundwortschatz wird gebildet, geübt und fortlaufend erweitert.
  • Die Kinder werden zum freien Lesen und Schreiben angeleitet.
  • Das richtige Abschreiben und das Schreiben nach Diktat werden geübt.
  • Zur Unterstützung des Lese- und Schreiblernprozesses wird der Computer eingesetzt.

Im Laufe des ersten Schuljahres werden quartalsweise Lernstandsbeobachtungen durchgeführt und dokumentiert.
Am Ende des Jahres wird bei allen Kindern mit dem Lese-Stolpertest der Stand des Leselernprozesses festgestellt.
Mit Hilfe der Hamburger Schreibprobe (HSP 1) wird die Rechtschreibfähigkeit überprüft.
Wenn die Ergebnisse auf eine Lese-Rechtschreibschwäche hinweisen, beschließt die Klassenkonferenz Fördermaßnahmen:

  • Einzelförderung im Unterricht durch differenzierte Arbeitspläne, auch durch individualisierte Hausaufgaben
  • Unterstützung des Leselernprozesses durch den Einsatz von „Lesemüttern und –vätern“, wenn möglich auch durch Einzelbetreuung
  • Einrichtung eines LRS-Förderkurses

Die Eltern werden in einem Gespräch über die geplanten Maßnahmen unterrichtet und nach Möglichkeit zur Mitarbeit motiviert. Sie können gegebenenfalls gebeten werden, außerschulische Untersuchungen durchführen zu lassen:

  • Überprüfen des Hörens durch einen HNO-Arzt
  • Überprüfung des Sehens bei einem Augenarzt oder Optometristen.

Die Möglichkeit zusätzlicher, außerschulischer Therapiemaßnahmen soll in Betracht gezogen werden.

2. Schuljahr

Lernbereiche: Lesen und Verstehen
Schreiben und Rechtschreiben
 
Die Prinzipien der Methodenvielfalt, der Differenzierung und der individuellen Förderung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lerntypen werden im 2. Schuljahr fortgeführt. Hinzu kommt:

  • Der klasseneigene Grundwortschatz aus dem ersten Schuljahr wird erweitert.
  • Es werden Strategien und Arbeitstechniken zum sinnverstehenden Lesen und zum normgerechten Rechtschreiben vermittelt und eingeübt.
  • Die Kinder werden weiterhin zum freien Lesen und Schreiben angeleitet.
  • Das richtige Abschreiben und das Schreiben nach Diktat werden intensiver geübt, sind aber nicht allein relevant für die Rechtschreibnote.
  • Die Lernentwicklung der Kinder wird wieder mit dem Lese-Stolpertest, der Hamburger Rechtschreibprobe (HSP 2) oder dem Deutschen Rechtschreibtest (DRT2) überprüft.

Im LRS-Förderunterricht, der möglichst zwei Stunden in der Woche umfassen sollte, werden die erwähnten Unterrichtsprinzipien ebenfalls zugrunde gelegt.

  • Es werden systematisch Übungen zur Steigerung der visuellen und akustischen Wahrnehmung, der Konzentration und der Merkfähigkeit durchgeführt.
  • Rechtschreibstrategien werden im Rahmen des Grundwortschatzes trainiert.
  • Der Computer wird zur Unterstützung des Schreiblernprozesses eingesetzt.
  • Das Lesen wird durch das Lesen von Sinneinheiten und Ganzschriften geübt.

Spezielle und individuelle Lese- und Rechtschreibprobleme werden mit geeignetem Übungsmaterial aufgearbeitet. Hierfür stehen zur Verfügung:

  • Spielerisches Übungsmaterial ( Leselernwürfel, Leseturm, Lesekrokodil, Lesetelefon, Lesememory, Wörter sprechen – Laute hören, Stempelschule, Wörter-Lotto u.a.m.)
  • Lessmann-Kartei
  • Ortografikus (Finken-Verlag)
  • DAZ-Material
  • LRS-Übungen aus dem LÜK-Programm
  • Spaß an Sprache
  • Förderkurs LRS
  • Lesebücher, Klassensätze und Bücher aus der Schülerbücherei
  • u.a.m.

Klassenarbeiten, die keine ausreichenden Leistungen aufweisen, müssen nicht bewertet werden, sondern werden mit einem Kommentar versehen.
 
Zum Schulhalbjahr erhalten die Kinder eine Lern- und Förderempfehlung, deren Leistungen nicht den verbindlichen Anforderungen der Richtlinien und Lehrpläne entsprechen. Dazu erfolgt ein Gespräch mit den Eltern, in dem die LRS-Problematik der Kinder erörtert wird. Es können auch Gespräche mit außerschulischen Therapeuten geführt werden – sofern die Eltern damit einverstanden sind.
Am Ende des Schuljahres erhalten die Kinder auf dem Zeugnis eine Note in Rechtschreiben, die in der Gesamtnote Deutsch jedoch zurückhaltend gewichtet wird.
Unter „Bemerkungen“ erfolgt der Hinweis: Der Schüler/Die Schülerin nahm an einer besonderen Lese-Rechtschreibförderung teil.

3. und 4. Schuljahr

Lernbereiche: Sinnentnehmendes Lesen
Rechtschreiben
 
Die Förderbedürftigkeit wird weiterhin mit dem Lese-Stolpertest, der Hamburger Schreibprobe (HSP 3 und HSP 4) oder dem Deutschen Rechtschreibtest (DRT 3) festgestellt.
Die Teilnahme am LRS-Förderunterricht wird von der Klassenkonferenz beschlossen, spätestens wenn die Leistungen im Lesen und Rechtschreiben dauerhaft schlechter als die Note 4 sind.
Außerschulische Gutachten können ebenfalls zum Anlass genommen werden.
 
Im LRS-Förderunterricht werden die Übungen des zweiten Schuljahres weitergeführt und intensiviert.

  • Es wird besonders auf die Anwendung der Rechtschreibregeln geachtet.
  • Beim Schreiben mit dem Computer wird das Erkennen und selbstständige Berichtigen von Fehlern geübt.
  • Da das Leseverständnis für alle Bereiche des schulischen Lernens gefördert werden muss, werden die Leseinhalte fächerübergreifend ausgewählt.
  • So werden zum Beispiel für den Sachunterricht Sachtexte, Fachbegriffe und Erläuterungen erlesen. Das Lesen von Tabellen, Diagrammen und Grafiken sowie das Verstehen von Sachaufgaben werden für den Mathematikunterricht geübt.
  • Durch den Einsatz von Computern wird den Kindern außerdem Medienkompetenz vermittelt.

Aus pädagogischer Sicht wird auf die psychische Gesundheit der Kinder geachtet. Das Selbstwertgefühl der Kinder wird gestärkt, indem ihnen Erfolgserlebnisse ermöglicht werden.
 
Auch im Klassenunterricht wird individuell auf die LRS-Problematik eingegangen. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler erhalten differenzierte Übungsangebote und differenzierte Leistungskontrollen.
Unter den Diktaten gibt es keine Noten, sondern Kommentare. Statt die Betonung auf die Fehler zu legen, werden die Erfolge dargestellt.
 
Bei den Empfehlungen zu den weiterführenden Schulen wird trotz einer LRS-Problematik eine Empfehlung für die Realschule oder das Gymnasium abgegeben, wenn die Lernbereitschaft, die Arbeitshaltung und die weiteren Leistungen erfolgsversprechend sind.